18.09.2018 - 11:17 Uhr

Die DAX-Familie erweitert sich

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

beginnen wir mit einem kurzen Update zur Verfallstagsanalyse der Vorwoche: Der DAX hadert immer noch an der ehemaligen Unterstützungszone zwischen 12.132,72 und 12.104,41 Punkten, womit ihm bis zur optimalen Zielzone der Stillhalter zwischen 12.300 und 12.500 Punkten noch ein gutes Stück fehlt. Es scheint sich also das bearishe Alternativszenario durchzusetzen.

Verfallstagsupdate

Sollte der DAX von seinen Tiefs vom Sommer wieder zurückfallen, besteht die Gefahr, dass es zu einem Rückfall bis an die Tiefs der Vorwoche kommt oder sogar bis an die Jahrestiefs (siehe folgender Chart). Mit hinreichender Abwärtsdynamik könnten wir auch neue Jahrestiefs sehen, wobei die Absicherungsmaßnahmen der Stillhalter diese Abwärtsdynamik noch weiter antreiben dürften.

DAX Tageschart seit Januar 2018

Noch zeigt sich der DAX aber recht solide über der 12.000er Marke, obwohl er zuletzt mehrfach an der roten Widerstandszone wieder abdrehen musste. Am wahrscheinlichsten ist daher aus derzeitiger Sicht eine Seitwärtsbewegung bzw. Bodenbildung auf dem erreichten niedrigen Niveau (innerhalb der grauen Zonen). Sollte es noch zu einem Ausbruch kommen, könnte aber auch die grüne Zone wieder dynamisch angelaufen werden.

Indexanpassung der DAX-Familie

Da wir nun den möglichen Fahrplan für den DAX bis zum großen Verfallstag am Freitag zusammengetragen haben, ist es Zeit uns einem anderen Thema zuzuwenden.

Denn unmittelbar nach dem September-Verfallstag am kommenden Montag gibt es die nächste reguläre Indexanpassung der DAX-Familie. In diesem Zuge wird die Commerzbank den DAX verlassen und durch Wirecard ersetzt. Dabei handelt es sich um einen Finanzdienstleister, der bisher „nur“ im TecDAX zu finden war.

Diese Info haben Sie aber vielleicht auch schon aus diversen Medienberichten bekommen. Schließlich gab es einen ausführlichen Kommentar von den Finanzmedien dazu, nachdem die Änderung (die schon länger erwartet wurde) offiziell durch die Deutsche Börse Anfang September bekannt gemacht worden war.

Abstieg der Commerzbank

Dabei konnte man fast den Eindruck gewinnen, dass es eine Tragödie sei, dass ein weiteres der Gründungsmitglieder des DAX nun ausscheidet. (Wenn man es genau nimmt sogar zwei, denn nachdem die Dresdner Bank – ein weiteres DAX-Gründungsmitglied – 2001 von der Allianz übernommen wurde, übergab diese sie 2008 an die Commerzbank.)

Doch handelt es sich nur um einen völlig normalen Vorgang, wenn sich Unternehmen verändern: vergrößern, verkleinern, fusionieren, verkauft werden, ihren Namen ändern usw. Am Ende des Tages lässt sich diese Normalität auch in den entsprechenden Veränderungen eines Aktienindex wiederfinden – nicht mehr und nicht weniger.

Die Beharrlichkeit der deutschen Wirtschaft

Zumal dem DAX auch nach dem Ausscheiden der Commerzbank noch die Hälfte seiner Gründungsmitglieder bzw. deren Nachfolgegesellschaften erhalten bleiben wird: Allianz, BASF, Bayer, BMW, Daimler(-Benz), Deutsche Bank, Henkel, Linde, Lufthansa, RWE, Siemens, Thyssen(Krupp), Volkswagen sowie E.ON (als Nachfolgegesellschaft von Veba und Viag).

Nach 30 Jahren in einer wirtschaftlich extrem schnelllebigen Zeit zeigt uns der noch hohe Anteil an Gründungsmitgliedern eher die Kontinuität, die in der deutschen Wirtschaft vorhanden ist – böse Zungen sagen auch „Beharrungsvermögen“. Deshalb ist es auch nicht nötig, das Ausscheiden der Commerzbank zu betrauern – zumal sie ohnehin seit längerem nur noch ein Schatten ihres früheren Selbst ist. Außerdem stößt mit Wirecard ein moderner Zahlungsabwickler zum DAX, der die jüngsten Umwälzungen in der Finanzbranche sehr gut widerspiegelt.

Trennung in Tech und Classic aufgehoben

Doch dieser so emotional diskutierte Wechsel im DAX überlagert sehr viel bedeutsamere Änderungen in der deutschen Index-Landschaft, die ebenfalls am kommenden Montag in Kraft treten.

Beispielsweise wird die Deutsche Börse ihre bereits im Mai beschlossenen Regeländerungen für die DAX-Familie ändern, wodurch es zur Aufhebung der bisherigen Trennung in die Segmente Tech und Classic kommt. Dann ist es Technologieunternehmen, für die bisher der TecDAX reserviert war, möglich auch in die größeren und kleineren DAX-Indizes (DAX, MDAX, SDAX) aufrücken zu können, sofern ihre Marktkapitalisierung passt. Bis dato hieß es Entweder-Oder.

Nichts Besonderes

Das gleiche gilt natürlich auch für den umgekehrten Fall: Unternehmen aus DAX, MDAX oder SDAX können gleichzeitig im TecDAX notiert werden, wenn sie den Voraussetzungen entsprechen.  Deshalb gibt es ab kommenden Montag mit Wirecard (die ja bisher schon im TecDAX war), SAP, Deutsche Telekom und Infineon gleich vier DAX-Unternehmen, die auch im TecDAX zu finden sind.

Im internationalen Vergleich ist dies übrigens völlig normal. So stecken ganze 84 Aktien des US-Technologie-Index NASDAQ 100 auch im US-Leitindex S&P 500. Gleichzeitig sind vier davon – Apple, Cisco, Intel, Microsoft und Walgreens – auch noch im Dow Jones.

Anzahl der „DAX-Aktien“ steigt!

Außerdem kommt es zu einer Vergrößerung der „kleinen“ Brüder des DAX – MDAX und SDAX. Denn der MDAX besteht dann aus 60 Mitgliedern anstatt bisher 50 und der SDAX dann aus 70 (bisher: ebenfalls 50). Das bedeutet für uns noch mehr „DAX-Aktien“!

Dies dürfte vor allem eine Auswirkung auf die Volatilität der Indizes bzw. deren Derivate (z.B. Fonds/ETFs, Zertifikate) haben. Schließlich bringt eine größere Anzahl von Aktien eine größere Streuung mit sich, aus der im Normalfall ein gleichmäßigerer (Index-)Verlauf resultiert.

Es gibt also doch schon ein paar Änderungen in der deutschen Index-Landschaft. Die Deutsche Börse war sogar so nett und hat diese in kompakter Form zusammengefasst. Deswegen hier für Sie die offizielle Übersicht.

Ganz normaler Vorgang

Eine entscheidende Auswirkung auf den Kursverlauf der Indizes dürften die Änderungen aber nicht haben. Denn es ist das Prinzip der Indexbildung, dass „der Markt“ möglichst akkurat abgebildet wird. Somit sind auch diese recht umfangreichen Änderungen am Ende doch überschaubar.

Zumal der DAX selbst nur den üblichen Tausch einer Aktie gegen die andere erlebt. Dies geschah in den letzten 30 Jahren bisher 41 Mal – also mindestens einmal pro Jahr oder im Durchschnitt rund viermal in drei Jahren. Es handelt sich also um einen ganz normalen Prozess, der den DAX noch nie aus der Ruhe bringen konnte.

Konzentrieren wir uns daher vorerst drauf, was der DAX bis zum Verfallstag am Freitag macht.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

 (Quelle: www.stockstreet.de)