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TV Today: Das ist keine Zockerei
01/2000  
Manager Dietmar Friess spekuliert nebenberuflich als Daytrader im Internet

Er jubelt nicht. Er strahl nicht. Er freut sich nicht still in sich hinein. Dietmar Friess start regungslos auf seinen Monitor und verfolgt die Dax-Kurve. Dabei hat er gerade eben 1700 Mark verdient. In nur zwei Stunden. "Ich steige jetzt aus", meint der 43-jährige Berliner, der hauptberuflich im mittleren Management einer Engineering-und Anlagenbaufirma arbeitet. "Man muss bescheiden bleiben, auch wenn man in einer Gewinnphase ist." Der Dax macht noch mal einen Sprung nach oben. Friess reagiert nicht. "Jetzt im Markt zu sein wäre ein zu großes Risiko." Also macht er für heute Schluss mit dem Geldverdienen per Mausklick vom Wohnzimmer aus.
Der Gewinn, den Dietmar Friess heute verzeichnet, deckt gerade mal seinen Verlust von gestern. Daytrading ist ein riskantes Geschäft. Im Sekundentakt kaufen und verkaufen die "Tageshändler" Wertpapiere und Terminkontrakte. Über kurzfristige, winzige Kursschwankungen im Tagesverlauf können sie Tausend Mark gewinnen - und verlieren. Seit dem Anschluss der Börse ans Netz wird Daytrading auch in Deutschland immer beliebter. Man braucht nur einen Internet-Zugang, ein Handelsprogramm und die aktuellen Aktienkurse.
Keine Zwischenhändler, keine Berater, kein Austausch mit anderen Daytradern. Bei den Geschäften von Friess dreht sich alles nur um ihn, seine PC und die Börsendaten. Die Firma trading-house.net bietet zwar Handelsräume an, in denen sie den Daytradern für 1300 Mark monatlich das nötige Equipment zur Verfügung stellt, aber Friess handelt lieber von zu Hause aus. Vor sechs Monaten hat er im Handelsraum in Berlin-Charlottenburg eine zweitägige Schulung absolviert, eine Woche lang mit einem Simulationsprogramm trainiert und danach sein erstes Online-Geschäft abgeschlossen.
Um für den Internet-Handel zugelassen zu werden musste Friess 50 000 Mark als Sicherheit hinterlegen. Ist die Hälfte des Geldes futsch, werden Daytrader - egal, ob Haupt-oder Nebenberufler - vom Geschäft ausgeschlossen. "Wer gerade mal 50 000 angespart hat, sollte sich lieber eine gute Bank suchen", meint Friess. Seiner Meinung nach braucht man vor allem eins, um erfolgreich handeln zu können: Erfahrung. Man müsse Börsendaten richtig einschätzen können, die Software verstehen und seien eigenen Strategien entwickeln. "Daytrading hat nichts mit Zockerei zu tun", stellt Friess klar. Dennoch schwört er auf sein Pokerface: "Einen erfolgreichen Daytrader sieht man nicht an, ob er gerade verliert oder gewinnt.
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