Das schnelle Geld per Mausklick, das versprechen viele Daytrading-Cener ihren Kunden. Immer mehr Unternehmen bieten
diese riskanten Finanzgeschäfte mit direkten Draht zur Börse an. Diese ruft das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen
auf den Plan. Künftig will das Amt Daytrading-Center genau unter die Lupe nehmen. "Die Tätigkeit der Center als
Finanzdienstleister muss angesichts hoher Risiken für die Anleger von uns genehmigt werden. Unerlaubtes Betreiben ist
ein Strafbestand", sagt die Sprecherin des Bundesaufsichtsamts Sabine Lautenschläger.
Vielen Betreibern der Daytrading-Center sei bisher nicht klar gewesen, dass sie unter die Bankenaufsicht fallen. Sie
bieten wie ein Gewerbe Finanzdienstleistungen im Bereich Anlagevermittlung und fallen damit aus Sicht des Amtes unter
das Gesetz über das Kreditwesen. Vier Daytrading-Center haben beim Aussichtsamt eine Erlaubnis beantragt. Die einzige
Berliner Firma sei bisher die trading-house.net AG.
Bei der trading-house.net sind in den Büros und vor dem PC zu Hause 250 Berliner Daytrader online mit der
vollelektronischen Terminbörse Eurex verbunden und handeln Terminkontrakte. Die Anleger mieten eine Computer-Arbeitsplatz
mit Internetzugang und werden in Seminaren geschult.
Die Geschäftsführerin der Berliner trading-house.net, Melanie Epp, begrüßte die stärkere Kontrolle durch das Aufsichtsamt
für das Kreditwesen: "Zwar mussten wir eine ganzen Ordner Nachweise als Antrag einreichen, aber eine genaue Prüfung der
Firmen schließt Abzocker vom Markt aus. Durch solche schwarzen Schafe kommt die Branche in Verruf." Für den bisher einzigen
Berliner Anbieter läuft derzeit das Genehmigungsverfahren. Die Geschäfte würden vor der endgültigen Genehmigung unter einer
Ausnahmevorschrift weitergeführt. Die gilt, wenn ein Center auf Rechnung eines zugelassenen Instituts Handel betreibt.
Antragsteller werden jetzt einer genauen Prüfung unterzogen. "Wir kontrollieren, ob das Unternehmen solide ist", sagt Frau
Lautenschläger. Geschäftführer und Anteilseigner dürfen nicht vorbestraft sein. Anteilseigner müssen ein Vermögen in Höhe
von 50 000 Euro nachweisen. Das Amt prüfe außerdem, ob der Geschäftsplan schlüssig ist. Die Center müssen außerdem beim
Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel ihre Aufklärungsarbeit über hohe Verlustrisiken darstellen. Erste Genehmigung
für Daytrading-Center sollen in zwei bis drei Monaten vorliegen.
Direkt zur Börse
Der Begriff des Daytraders kommt aus dem Amerikanischen. In den USA bewegen Daytrader bereits ein Viertel des Aktiemarktes.
Seit dem Anschluss der Börse ans Internet ist Daytrading auch in Deutschland möglich. 250 Berliner Daytrader sind bereits
im Geschäft. Über einen Mausklick kaufen und verkaufen sie im Sekundentakt Wertpapiere und Terminkontrakte. Über
kurzfristige Kursschwankungen können sie Tausende Mark gewinnen oder verlieren. Die Händler der trading-house.net
nutzen die vollelektronische Terminbörse Eurex für Kauf-oder Verkaufkontrakte von Dax Future, SMI Future oder Bund Future.
Die Daytrading Zentralen vermieten den Privatanlegern Arbeitsplätze, Internet-Anschluss und die Handelssoftware eines
zugelassenen Wertpapierhändlers. Dieser Händler verwaltet Konten und Depots der Privatanleger. Die Tageshändler müssen
bei den Wertpapierhändlern eine Sicherheitseinlage hinterlegen - bei den meisten Anbietern um 50 000 Mark. Wenn die
Daytrader die halbe Einlage verloren haben, werden ihre Konten gesperrt. Dadurch wird das Verlustrisiko gemindert.
Seriöse Daytrading-Zentralen bieten Seminare über den Finanzmarkt und Trockentraining an, bevor sie die Händler online
in die Börse einsteigen lassen. Etwa ein Drittel der Daytrader muss nach kurzer Zeit das Geschäft wieder aufgeben.
Börsenhandel
Das Berliner Day-Trading-Zentrum trading-house.net setzt weiter auf das in Deutschland zunehmende "Day-Trading".
Dabei handeln Kleinanleger privat oder per Direktleitung an der Börse. Das nach eigenen Angaben in Deutschland
führende Day-Trading-House eröffnet heute an der Friedrichstraße das bundesweit erste Schulungszentrum für private
Anleger, die sich in den schnellen Spekulationsgeschäften an der Börse versuchen. "Das Geschäft boomt. Die privaten
Daytrader müssen in Schulungen aber auf diesen hochspekulativen Handel gut vorbereitet werden", erklärte trading-house-Sprecherin
Melanie Epp. Ein Einsteigerkurs sei auf jeden Fall Pflicht.
Trübe Stimmung an der Börse bremst das Wachstum - Mehr Schulungen - Auch Fondsmanagement wird angeboten
Der Abwärtstrend an den Börsen zwingt auch die Berliner Daytrading-Anbieter zu neuen Konzepten. Mit der Verbreiterung ihres
Produktangebots und der Generierung zusätzlicher Umsätze über das Angebot kostenpflichtiger Schulungen wollen die Handelshäuser
die derzeitige Baisse überstehen und ihre Robustheit gegenüber künftigen Börsenschwankungen stärken.
Von einem Einbruch der Daytrading-Szene in Berlin spricht man bei trading-house, D-Trade und Actior zwar nicht. Der Rückgang
der Zuwachsraten zeigt aber, dass auch die Daytrading-Anbieter unter der getrübten Börsenstimmung leiden. Dabei müsste eine
schwache Börse das Geschäft der Handelshäuser eigentlich stärken, denn mit dem Handel von Futures und Optionen kann man auch
bei fallenden Kursen Geld verdienen. "Wenn sich die Kurse bewegen, ist unseren Kunden die Richtung eigentlich egal", beschreibt
René Mahlstedt, Centermanager im Handelsraum von Actior in der Bleibtreustraße, den prinzipiellen Vorteil der von Daytradern
bevorzugten Produkte. So habe auch kaum einer der Stammkunden seinen angemieteten Handelsplatz aufgegeben. Die Kursverluste im
Jahr 2000 haben aber das Wachstum der Handelshäuser gebremst.
Konnte die trading-house.net AG mit ihren drei Berliner Handelsräumen - gegenüber der Berliner Börse in der Fasanenstraße, in
der Friedrichstraße und einer Villa im Grunewald - von März bis Oktober 1999 ihre Umsätze noch Monat für Monat verdoppeln, so
liegt die Wachstumsrate der bundesweit mit insgesamt sieben Centern agierenden Gesellschaft jetzt bei etwa 20 bis 30 Prozent.
Geschäftsführer Rafael S. Müller führt das zum Teil auf fehlende Liquidität potenzieller Neukunden zurück. Viele Anleger, die
derzeit noch in Aktien halten, würden auf steigende Kurse warten, um die Realisierung ihrer Buchverluste zu vermeiden.
An der bundesweiten Expansionsstrategie will trading-house dennoch festhalten: Morgen wird ein Center in Freiburg im Breisgau
eröffnet. Weitere Handelsräume sollen über Joint-Ventures mit verschiedenen Partner folgen. Dabei tritt die Berliner
Aktiengesellschaft je nach Konzept nur als am Umsatz beteiligte Partner im Hintergrund auf oder sie fungiert als Namensgeber
mit Kapitalbeteiligung. Das entscheidende Kriterium ist laut Müller, in welchem Umfang der jeweilige Partner Schulungen und
Informationsveranstaltungen in seinem Center plane. Es reiche heute nicht mehr, nur schnelle Computer mit direkter Börsenanbindung
aufzustellen, betont er die gestiegene Bedeutung der Kundenbetreuung. Inzwischen generiert trading-house fünfzig Prozent der Umsätze
mit Seminaren und Fortbildungen. In den ersten Monaten nach der Gründung im Oktober 1998 hatten die Handelserlöse noch 90 Prozent
ausgemacht.
Bei D-Trade im BMW-Haus am Kurfürstendamm hat sich die Börsenschwäche bisher nicht negativ ausgewirkt. "Die Zahl der Neukunden
und das Interesse haben sich nicht verändert", freut sich Pressesprecher Wieland Steinich über den stabilen Zuwachs. Die Auslastung
der Handelsplätze in Berlin betrage achtzig Prozent. Dennoch will man D-Trade die Abhängigkeit vom Daytrading durch den Aufbau
weiterer Standbeine verringern. Schon heute sind Aktien und Optionen zusammen genau so umsatzrelevant wie der Futurehandel.
Langfristig will sich das Handelshaus als Vermögensverwalter etablieren, das Grundkonzept soll innerhalb der nächsten zwei bis
drei Monate entwickelt werden. Einen Wachstumsschub erhofft man sich insbesondere vom Einstieg in das Fondsmanagement, wenn ab
2002 im Rahmen der privaten Altersvorsorge auch Fonds der steuerlichen Förderung unterfallen.
Erstnotiz für Trading-house.net für 27. November geplant
Berlin - Die als so genannter Day-Trader gestartete Berliner Trading-house.net geht noch in diesem Jahr selbst an die Börse.
Nach einer Privatplatzierung von Aktien im Vorfeld des Börsengangs ist die Erstnotiz im Frankfurter Freiverkehr für den
27. November geplant, teilte Trading-house.net gestern in Berlin mit.
Angesichts der eher geringen Aktienzahl sei im kommenden Frühjahr die Ausgabe von Gratisaktien im Verhältnis von etwa 1:9
geplant. Dadurch werde nicht nur der optisch hohe Preis von derzeit 68,50 Euro (134,30 DM) erheblich reduziert. Auch erhöhe
sich die Zahl der Aktien auf mehr als 2,5 Millionen Stück. Mit dem Erlös des Börsenganges werde unter anderem der europaweite
Ausbau von Trading-Centern finanziert.
Das Unternehmen plant unter dem Domainnamen "direktbroker.de" auch den Einstieg in das Online-Bankgeschäft. Im kommenden Jahr
soll eine eigene Banklizenz beantragt werden.
Trading-house.net hatte 1998 das erste Day-Trading-Center in Deutschland eröffnet, in dem Kleinanleger privat per
Direktleitung an der Börse handeln. Beim Day Trading machen private Anleger in Sekundenschnelle Börsengeschäfte am
Computer per Mausklick.