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Auszüge aus "Die Geschäftsidee: Dezember"
1999   

Daytrading-Center

Gerade mal vor einem Jahr entstand das erste Daytrading-Center in Deutschland. Seitdem schießen diese Handelsräume wie Pize aus dem Boden. Die Betreiber verdienen an der Vermietung elektronischer Handelsarbeitsplätze. Obwohl durchaus umstritten, verzeichnen die bestehenden, seriös geführten Daytrading-Center großen Zulauf. Und der Boom wird noch eine Weile dauern.

"Der Trend zu eigenverwaltendem Vermögen hält in Deutschland auch in Zukunft an, denn die Erbengeneration sucht nach anderen Möglichkeiten als dem Sparbuch."
Thorsten Kraemer, Mitinhaber der Firma "Fasttrade"

"Das Potential für Daytrading-Center in Deutschland ist sehr groß."
Dr. Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut

"Das Sparbuch ist tot. Die Menschen suchen nach reizvolleren Möglichkeiten, ihr Geld zu vermehren. Die bieten wir ihnen in unseren Daytrading-Centern."
Rafael Müller, "trading-house.net AG"

Überblick
Die Idee: Vermietung von professionell eingerichteten Börsenarbeitsplätzen.

Investitionskosten: Je nach Zahl der Arbeitsplätze zwischen 239.000 und 500.000 DM.

Vorbereitung: Etwa vier bis sechs Monate.

Umsatz: Pro Arbeitsplatz etwa 1.300 DM monatlich plus Provisionen aus den Gebühren für die Transaktion (Käufe und Verkäufe), die die Kunden ausführen.

Gewinn: Geschätzt zwischen 15 und 25 Prozent, je nach Höhe der Mietkosten für den Handelsraum und der Provisionen aus den Transaktionen.

Meine Meinung: Eine sehr profitable Dienstleistungsidee, mit der man am derzeitigen Börsenboom mitverdient, ohne selbst zu spekulieren.

Daytrading-Center
Deutschlands Kleinaktionäre haben die Börse entdeckt. Und viele wollen wie die Profis direkt handeln. Doch um auf dem Börseparkett mitmischen zu können, brauchen sie die geeignete technische Ausstattung und kompetente Beratung, wie man Hard-und Software gewinnbringend nutzt. Aus diesem Run auf die Börse schlagen findige Geschäftsleute Kapital. Sie vermieten in Daytrading-Centern elektronische Handelsarbeitsplätze mit direkter Standleitung zur Börse. Unter Gleichgesinnten spekulieren hier die Kunden im Minutentakt.

Kurzbeschreibung:
Jeder Mausklick lässt die Kasse der Betreibers klingeln



Jeder Mausklick lässt die Kasse der Betreibers klingeln Es ist ruhig im "Börsenraum" der Firma "trading-house.net AG" in Berlin. So ruhig, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Lediglich der Fernsehton von n-tv unterbricht gelegentlich die angespannte Stille. Die Einrichtung des etwa 30 Quadratmeter kleinen Raums ist eher schlicht: Helle Tische, eine Vielzahl von Computermonitoren, ein Kühlschrank sowie drei Fernsehapparate erinnern an einen Schulungsraum. Sieben durchweg junge "Spekulanten" sitzen vor je zwei Computermonitoren. Auf dem einen ist eine Grafik zu sehen, die sich scheinbar nicht verändert, auf dem anderen ein für Laien unverständliches Zahlengewusel. Gebannt starren die Minibörsianer auf den Bildschirm mit der Grafik. Hin und wieder greift einer zur Maus und gibt eine Kauf-oder Verkaufsorder direkt an die Börse durch. Im Gegensatz zu einem richtigen Börsensaal geht es hier im Daytrading-Center gemächlich zu: Kein Geschrei, keine hektischen Handbewegungen - Daytrader sind ruhige Spekulanten. Daytrading heißt das neue Zauberwort, das aus Hausfrauen oder Taxifahrern, Lehrern oder Studenten Minibörsianer macht.

Sie alle hoffen auf Gewinne zwischen 1.000 und 2.000 DM pro Tag - wenn es optimal läuft, versteht sich. Stets optimal läuft es für Rafael Müller. Der ehemalige Anlagenberater spekuliert allerdings nicht selbst, er verdient an der Leidenschaft seiner Kunden. Im November 1998 startete er mit seinem ersten Daytrading-Center in Berlin. Heute gibt es bereits sieben solcher Zentren unter dem Dach der Firma trading-house.net AG. Unternehmenszweck: privaten Spekulanten einen Handelsarbeitsplatz inklusive Erfahrungsaustausch und Beratung gegen eine monatliche Mietgebühr anzubieten. Beratung bekommen die Kunden allerdings nur in technischer Hinsicht: Wie man die Software handhabt, welche Regeln beim Börsenhandel einzuhalten sind oder wie man Charts richtig liest und interpretiert. Diese Kenntnisse vermitteln Müller und seine Mitarbeiter in Einführungskursen.
" Aus den Spekulationen unserer Kunden halten wir uns völlig raus", versichert Rafael Müller glaubhaft. "Wir geben weder Kauftips noch warnen wir vor Käufen. Wir sind ein reiner Dienstleister, der - ähnlich wie ein Büroservice-Unternehmen - Arbeitsplätze an Kunden vermietet. Ob jemand hier zum Millionär oder zum Bettelmann wird, beeinflusst allein er mit der Art, wie er spekuliert."
Ein komplett ausgestatteter Arbeitsplatz bei trading-house.net kostet inklusive Standleitung zur Börse 1.300 DM Miete pro Monat. Dafür darf der Kunde von morgens 8 bis abends 19 Uhr sein Glück mit dem Auf und Ab der Börsenkurse versuchen. "Manche unserer Kunden verbringen den ganzen Tag hier, andere kommen nur einige Stunden täglich, um ihre Geschäfte abzuwickeln", so Rafael Müller. Zu Müllers Klientel zählen Hausfrauen ebenso wie Studenten, Taxifahrer oder Manager. Zusätzlich zu der monatlichen Platzmiete zahlen die Kunden pro Transaktion bzw. Roundturn (ein Kauf-und Verkaufsauftrag) noch eine Gebühr von 35 DM. "Das ist sehr günstig", erklärt Rafael Müller. "Banken kassieren zwischen 50 und 250 DM pro Transaktion, die in der Regel auch noch langsamer ausgeführt wird als bei uns. Hier im Handelszentrum kann und will der Kunde sekundenschnell zuschlagen."
Drei der sieben Daytrading-Center betreibt Rafael Müller zusammen mit Kooperationspartnern. "Insgesamt bieten wir zur Zeit mehr als 150 Handelsplätze an", so Müller. "In unserem größten Center haben wir 70 Plätze. Im Schnitt sind es pro Center 20 Plätze. Nächstes Jahr wollen wir bundesweit 20 Daytrading-Center betreiben. Als nächstes machen wir in München auf, und Anfang 2000 ist Eröffnung auf Mallorca."
Schon jetzt erwirtschaftet der gewiefte Kaufmann mit seinen Centern geschätzte Monatsumsätze zwischen 150.000 und 250.000 DM. Davon 15 Prozent Gewinn ergibt stolze 22.500 bis 37.500 DM im Monat.

Markt und Möglichkeiten:
Rasante Entwicklung in nur einem Jahr



Die Daytrading-Welle kam vor gut einem Jahr aus den USA zu uns nach Deutschland. Jenseits des Atlantiks handeln bereits rund fünf Millionen Menschen per Internet oder Direktleitung über Direktbanken an der Börse. Auf einige tausend schätzen Fachleute die Zahl der Daytrader, die entweder in den bisher 80 bis 100 US-Daytrading-Centern oder von zu Haus aus versuchen, ihren Traum vom schnellen Geld zu verwirklichen.
Genaue Zahlen darüber, wie viele Menschen sich schon als Hobbyspekulanten versuchen, gibt es nicht. Nach einer Studie des renommierten Nachforschungsinstituts "Forrester Research", Cambridge, USA handelt bereits rund eine halbe Million Bundesbürger an der Börse per PC von zu Hause aus. Und täglich kommen Hunderte neuer Online-Depots dazu. Die Zahl künftiger Daytrader, die in Centern ihren Geschäften nachgehen, schätzt Dr. Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut Frankfurt auf "einige tausend". Möglich wurde diese Entwicklung zum einen durch die rasante Verbreitung des Internets und zum anderen durch die Börsen selbst, die sich seit zwei Jahren Kleinanleger geöffnet haben.
Derzeit gibt es in Deutschland etwa ein halbes Dutzend Unternehmer, die Daytrading-Center betreiben und insgesamt rund 200 Handelsarbeitsplätze anbieten. Doch die Entwicklung geht steil nach oben. Alle Betreiber setzen auf rasante Expansion. Vorbereiter ist auch hier die trading-house.net AG von Rafael Müller, die übrigens zu einer Namensänderung gezwungen wurde und bis September 1999 unter "Momentum Trading House AG" firmierte. Der Name Momentum war bereits von einer anderen Firma belegt. Als nächste Städte hat Müller Frankfurt a.M. und die Insel Mallorca im Visier. "Wir wollen Aussteigern auf der Urlaubsinsel das Geschäft ermöglichen", so der ehemalige Börsenhändler zur Frage, warum es gerade Mallorca sein soll. Mit einem ähnlichen Konzept wie trading-house.net AG jedoch weg von der Großraumbüro-Atmosphäre, bietet seit April 1999 Petra März in Hamburg privaten Spekulanten Handelsarbeitsplätze an. Die Inhaberin der Firma "Actior Trading Center" setzt auf Clubatmosphäre mit Fitnesseinrichtungen und Swimmingpool. Kunden zahlen 1.450 DM Monatsmiete, einmalig 500 DM für die Handelssoftware sowie 35.20 DM pro Roundturn. Wer bei Actior loslegen will, dem wird zudem die Teilnahme an einem Einführungsseminar nahegelegt. Kostenpunkt: 295DM. Filialen der Firma Actior Trading Center gibt es bereits in Düsseldorf, Magdeburg, Leipzig und Bremen. Weitere Standorte sind in Vorbereitung, darunter Wiesbaden, Berlin, München, Nürnberg und Frankfurt a.M.. Zudem werden europaweit Kooperationspartner gesucht.
Seit knapp einem halben Jahr betreibt die Kölner Firma "Fasttrade GmbH" in der Domstadt einen Börsenhandelsraum mit bisher 15 Arbeitsplätzen. Die drei Gründer, Thorsten Kraemer, Dr. Marc Prokop und Dr. Thomas Schaffer lernten sich während des Volkswirtschaftsstudiums kennen und eröffneten im Juli dieses Jahres ihren Handelsraum im Zentrum Kölns. Die monatliche Mietgebühr beträgt 1.400 DM, für die Handelssoftware berechnen sie den Kunden einmalig 2.150 DM. Die Mindestmietdauer beträgt 3 Monate. Die Gebühr pro Roundturn beträgt 35.20 DM. "Daytrading ist für und ein Bestandteil eines ganzen Bündels von Finanzdienstleistungen, die wir in Zukunft anbieten werden", so Thomas Kraemer. "Außerdem geht unserer Meinung nach die Entwicklung hin zum Trading von zu Hause aus. Auch dafür wollen wir professionelle Dienstleistung anbieten. Denn der Markt dafür ist, der Erbengeneration sei Dank, da."
Auch Ilona Menze ist erst seit einigen Monaten mit ihrem Daytrading-Center "M&K Tick Trading" auf dem Markt. In Dresden und Leipzig bietet die gelernte Bankkauffrau jeweils zehn Arbeitsplätze zu 1.450 DM Miete pro Monat und Platz. Für die Software verlangt sie einmalig 1.200 DM. Die Mindestmietdauer ist ein Monat. Die Gebühr pro Roundturn beträgt 49 DM.

Gewinnaussichten:
Spitz kalkulieren, aber Qualität einkaufen



Zwischen 15 und 25 Prozent Gewinn vom Umsatz sind für guteingeführte Daytrading-Center durchaus realistisch. Wie hoch der Gewinn genau ausfällt, hängt in entscheidendem Maße davon ab, welche Kosten für die Miete und den Provider anfallen, der die Leitungen zur Börse stellt, wie viele Transaktionen die Kunden tätigen und wie viel Prozent von den Gebühren die Clearingbank an Sie zahlt. Mit spitzem Stift kalkulieren und hart verhandeln lohnt sich. Aber Vorsicht: Billiganbieter, zum Beispiel Provider, die Ihre Qualitätsanforderungen nicht erfüllen, sind unter dem Strich ein Verlustgeschäft. Sparen Sie also nicht an der falschen Stelle.

Risiken und Erfolgsfaktoren:
Seriosität, Seriosität und nochmals Seriosität

Um mit einem Daytrading-Center erfolgreich zu sein, kommt es vor allem darauf an, seriös zu arbeiten. In den USA ist die Branche schon durch einige schwarze Schafe in Verruf gekommen. Eine solche Entwicklung gilt es in Deutschland um jeden Preis zu vermeiden.
  • Sie müssen sich darüber im klaren sein, dass Sie sich in einem kontrovers diskutierten Business betätigen. So gibt es Stimmen, die Betreibern eines Daytrading-Centers vorwerfen, mit der "Spekulationssucht" anderer sichere Gewinne einzufahren.
  • Abhilfe: Beraten Sie Ihre Kunden nicht, wann oder was sie kaufen bzw. verkaufen sollen. Selbst dann nicht, wenn Sie feststellen, dass jemand ein dickes Geschäft verpasst. Ausnahme: Sie bemerken, dass sich ein Kunde ins Unglück spekuliert, weil er die Technik nicht richtig beherrscht.
  • Zur Zeit liegt Daytrading im Trend. Doch die hochgesteckten Erwartungen vieler Hobbyspekulanten erfüllen sich oft nicht, wie Untersuchungen aus den USA zeigen. Aber nur dann, wenn Ihre Kunden auch Geld verdienen, bleiben sie Kunden. Ist das Kapital aufgebraucht, ist Schluss mit dem Spekulieren.
  • Abhilfe: Legen Sie großen Wert darauf, Ihre Kunden gut zu schulen und sie gründlich in den Gebrauch der Technik einzuweisen.

Das Geschäftsidee-Interview
"Wir sind keine Dienstleister und keine Hasardeure"



Drei Fragen an Rafael Müller, Inhaber der Firma trading-house.net und Betreiber von sieben Daytrading-Center.

Geschäftsidee: Herr Müller, vor einem Jahr sind Sie gestartet, jetzt betreiben Sie schon das siebte Center. Wie erklären Sie diesen Erfolg?

Müller: Die enorme Nachfrage nach Handelsarbeitsplätzen hat selbst mich überrascht. Aber die Zeit der Sparbücher ist vorbei, die Menschen möchten gerne mehr aus ihrem Geld machen. Und dabei unterstützen wir sie.

Geschäftsidee: Das heißt, Sie sehen optimistisch für Daytrading-Center in die Zukunft?

Müller: Unbedingt. Der Markt ist riesig für mindestens 100 bis 150 Daytrading-Center. Und einen großen Teil davon werden wir betreiben.

Geschäftsidee: Wie begegnen Sie dem zunehmenden Imageverlust - manche bezeichnen ja Daytrading-Center als Zockerbuden?

Müller: Dem kann man nur durch Qualität und Seriosität entgegenwirken. Wir sind Dienstleister und keine Hasardeure. Und wir tun das.
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