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Der Tagesspiegel


Wirtschaft: Über Nacht werden Friseure zu Finanzjongleuren

06.09.1999   

Erster Berliner Direkthandel mit gut 100 Kunden / Nur einer von zehn Day-Tradern hat Erfolg / Kritiker warnen vor großen Risiken für Privat-Börsianer / Verluste stehen nur im Kleingedruckten



Chris Löwer/HB

Berlin. Sie sehen lässig aus, tragen statt Schlips bequeme Schlabbershirts, stressen sich nicht sonderlich und machen dabei locker 20 000 bis 30 000 Dollar im Monat: Day-Trader, private Broker, die vom Wohnzimmerparkett aus online ihre Order abgeben. Direkt und schnell, ohne Bank und Anlageberater.

In den USA gehört dieses Geschäft längst zum Alltag. Wenn in Deutschland die Kurse springen, dann geht es auf dem Parkett im Präsenzhandel immer noch hektisch, bisweilen panisch zu. Vielleicht nicht mehr lange. Nach amerikanischem Vorbild hat in Berlin Deutschlands erstes "Trading-Center" aufgemacht. Gehandelt wird via Standleitung an der deutsch-schweizerischen Terminbörse Eurex. Kleinanleger, denen Lotto zu lasch und der Weg zur Bank zu lang ist, suchen hier ihr Glück im Direkthandel der Trading House AG. Jeder kann online zu seinem eigenen Broker werden. So wie Christa Toulemonde-Miserra. Bisher bestand ihr Arbeitsleben aus Waschen, Legen, Föhnen. Jetzt klickt die Friseurin, statt zu schnippeln: Kaufen, Halten, Abstoßen, ist nun die Devise. Auch wenn sie die Geheimnisse der Chartanalyse nicht völlig durchdringt, macht sie Gewinne.

"Ich habe in den ersten Wochen ohne große Mühe ganz anständig Geld verdient. Jedenfalls läuft es so gut, dass ich meinen Job an den Nagel gehängt habe", sagt die 52-Jährige, die nach 30 Jahren "ausfrisiert" hat. Sie handelt mit Bund-Futures, ohne zu wissen, was das genau ist - Hauptsache, die paar Kennziffern, die sie im Blick hat, signalisieren Steigflug.

Auf fundamentale Analyse kommt es ohnehin nicht an. Es geht darum, auf kleine Schwankungen schnell zu reagieren. "Am Tag 3500 Mark zu verdienen, ist schon drin", sagt Wieland Steinich, Fulltime-Trader. Er gibt Frischlingen die entsprechenden Einführungskurse. Zwei Tage sind ein Muss, damit nich planlose Zocker ins Schlingern geraten.

Die Profis machen bis zu 15 000 DM im Monat. Arbeitsmonitore, Software und der Zugang zum Direkthandel kosten 1300 DM monatlich. Bedingung: Mindestens 50 000 DM müssen auf dem Konto sein. Sinkt der Kontostand unter 25 000 DM, ist Schicht - dann werden keine Orders mehr ausgeführt. "Ein Indexpunkt der Dax-Futures entspricht 50 Mark, da kann man genauso schnell, wie man mehrere 1000 DM gewinnt, sie auch wieder loswerden", warnt Trading-House-Managerin Melanie Epp. Es ist schon ein bisschen wie ein rasantes Roulette, bei dem Gewinn und Verlust sehr nahe beieinander liegen. Lockt heute ein hoher Gewinn, kann er morgen schon doppelt und dreifach verloren sein. Es ist gerade dieser Leichtsinn eines euphorischen Goldgräbers, vor dem Aktienexperten in den USA und nun auch in Deutschland warnen.

"Mich juckt der Nervenkitzel, den finde ich hier, weil der Handel über Banken zu lange dauert", sagt Roswita Busz-Lindekeit, Hausfrau. "Ich spare mir jetzt den Anlageberater und nutze kleinste Sprünge des Marktes, halte Investments selten länger als eine Stunde, nie über Nacht. Es ist eine ständige, spannende Jagd nach den Punkten", sagt Immobilienmakler Holger Ruhnau.

Die Jagd begann in Berlin vor einem halben Jahr und findet immer mehr Freunde. Schon 100 Kunden bedient Trading House AG in zwei Filialen. Gerade wurde ein neuer Handelsraum mit 70 Arbeitsplätzen eröffnet. Bis Ende des Jahres sollen Tradecenter in Bremen, Düsseldorf, Frankfurt (Main), Hannover und Köln entstehen.

Selbst Mallorca wird um ein Abenteuer reicher: Auch hier wird Rafael Samuel Müller, Vorstand der Trading House AG, ein Büro eröffnen. Filialleiter wird ein Berliner Tankstellenpächter werden, der als Day-Trader genug Geld zum Auswandern gezockt hat. "Unsere Kunden schätzen den schnellen, direkten Handel ohne Bankgebühren und Reibungsverluste", sagt Müller.

Der 33-jährige Jurist und zugelassene Börsenhändler hat das schnelle, risikoreiche Geschäft nach Deutschland gebracht. Schneller und direkter geht es kaum: Die Handelaufträge seiner Kunden werden per PC fast in Echtzeit ausgeführt. Müller sieht langfristig die Bedeutung der Präsenzbörse bröckeln.

Kritiker bewerten das vollkommen anders. Sie sehen weder das Ende des Parketthandels noch die großen Gewinne einzelner, unerfahrener Zocker. Amerikanische Börsianer betonen, nur einer von zehn Tradern hätte dauerhaft Erfolg. Die US-Börsenaufsicht warnte unlängst vor windigen Angeboten, in denen rasche Gewinne versprochen, mögliche Verluste aber ins Kleingedruckte verbannt werden.
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trading-house.net expandiert

19.02.2000   
Das Berliner Day-Trading-Zentrum trading-house.net setzt weiter auf das in Deutschland zunehmende "Day-Trading". Dabei handeln Kleinanleger privat oder per Direktleitung an der Börse. Das nach eigenen Angaben in Deutschland führende Day-Trading-House eröffnet heute an der Friedrichstraße das bundesweit erste Schulungszentrum für private Anleger, die sich in den schnellen Spekulationsgeschäften an der Börse versuchen. "Das Geschäft boomt. Die privaten Daytrader müssen in Schulungen aber auf diesen hochspekulativen Handel gut vorbereitet werden", erklärte trading-house-Sprecherin Melanie Epp. Ein Einsteigerkurs sei auf jeden Fall Pflicht.
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Aktien von trading-house.net

11.10.2000   
Die als so genannter Day-Trader gestartete Berliner trading-house.net AG geht noch in diesem Jahr selbst an die Börse. Nach einer Privatplatzierung von Aktien im Vorfeld des Börsengangs ist die Erstnotiz im Frankfurter Freiverkehr für den 27. November geplant, teilte trading-house.net mit. Mit dem Erlös soll der europaweite Ausbau von Trading-Centern finanziert werden.
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Trading-house will an die Börse

07.05.2002   

Gewinn erwartet



Der Berliner Finanzdienstleister Trading-house.net AG, nimmt einen neuen Anlauf für einen Börsengang. Nachdem der Gang aufs Parkett bereits einmal verschoben wurde, wird nun die Erstnotiz für Ende Juni / Anfang Juli angestrebt, teilte Vorstand Rafael Müller am Montag in Berlin mit. Bei Trading-house.net können Kleinanleger privat per Direktleitungen an der Börse handeln. Das Unternehmen hatte im Herbst 1998 das erste so genannte Day-Trading-Center nach amerikanischem Vorbild in Deutschland eröffnet. Beim "Day Trading" können auch Privatanleger in Echtzeit am Aktienhandel teilnehmen. Dabei geht es vor allem darum, Kursschwankungen, wie sie jeden Handelstag vorkommen, gewinnbringend auszunutzen.
"Mein Traumtermin wäre der 4. Juli, da an diesem Tag die US-Börsen wegen des Unabhängigkeitstages geschlossen sind und daher die Aufmerksamkeit größer ist", sagte Müller. Vor einem Börsengang werde aber die Entwicklung an den Kapitalmärkten beobachtet. Nach einer Privatplatzierung, die der Gesellschaft rund 100 Aktionäre brachte, sollen nun nahezu alle der derzeit rund 252 000 Anteilsscheine in den Frankfurter Freiverkehr eingeführt werden. Die Gesellschaft will sich damit nach Darstellung Müllers einem breiteren Anlegerkreis öffnen. Nach zwei bis drei Jahren sei dann ein Segmentwechsel an den Geregelten Markt möglich. Dann solle auch - wie mehrfach angekündigt - eine Banklizenz beantragt werden. Die Gesellschaft hatte sich dazu den Domainnamen "directbroker.de" gesichert.

Trading-house.net vermittelt Privatanleger an Banken oder Broker, so dass sie direkt über das Internet handeln können. Den Provisionsanteil, den Trading-house.net von den Banken erhält, ist nach Firmenangaben der größte Umsatzposten. Nach den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2001/02 (30. Juni) beträgt der akkumulierte vorläufige Gewinn rund 43 000 Euro oder 0,17 Euro pro Aktie. Für das gesamte Geschäftsjahr 2001/02 erwartet die Gesellschaft einen Gewinn von 0,27 Euro pro Aktie. Für 2000/01 wies sie pro Aktie einen Verlust von 1,28 Euro aus. 1999/00 betrug das Minus noch 2,89 Euro.
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