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Abendzeitung: Millionen im Sekundentakt
11.11.99   

Börsenhandel am eigenen Schirm: Münchens erstes Zocker-Büro eröffnet



Von Stefan Marx
So leicht lässt sich Geld verdienen. Gerade hat Rafael Müller 30 Euro an der Börse gewonnen - weil er aus Versehen einen Aktien-Future gekauft hatte. Das ist eine Art Wette, wie sich der Aktienkurs in Zukunft entwickelt. Eigentlich wollte Müller, Chef der Berliner Trading House AG, seinen Gästen nur demonstrieren, wie ein Auftrag mit ein paar Mausklicks an die Börse geht. Denn darum geht es: Innerhalb weniger Minuten an der Börse mit risikoreichen Wertpapieren und Geld-Wetten Gewinn zu machen. Oft bewegen sie mit ein paar tausend Mark Einsatz Millionenwerte. Das so genannte Daytrading kommt ohne Banken aus. Der Kunde sitzt vorm Computer, die Aufträge gehen in Sekundenbruchteilen an die Börse. Trading House hat sieben Zentren in Deutschland. Jetzt können auch die Münchner am Computer zocken. Zwölf Plätze hält das Unternehmen in seinen Büroräumen am Candidplatz 13 bereit. Wer mitmachen will, muss 50 000 Mark Sicherheitsreserve hinterlegen. Ein Computerplatz kostet monatlich 1000 Mark Miete. Etwa 50 Gäste, darunter eine Handvoll Frauen, lauschen Trading-Chef Müller. Viele von ihnen haben die "Basisinformationen über Börsen- und Termingeschäfte" vor sich liegen. Denn einfach loslegen geht nicht, sagt Trading-Sprecherin MelanieEpp: "Wir legen sehr großen Wert darauf, dass unsere Anleger vorher geschult werden." Jeder Daytrader müsse sich seine Strategie genau überlegen. "Wer mit Daytrading beginnt, der entscheidet sich, sein Leben zu verändern." Nach einer US-Studie machen sieben von zehn Daytradern Verluste. Doch die Faszination für den Computer-Handel ist ungebrochen: Trading House hat seit dem Start vor einem Jahr 250 Kunden gewonnen. Und ab morgen sucht bei München ein weiterer Anbieter nach Mietern: Trading-Konkurrent Actior eröffnet in der Feringastraße 6 in Unterföhring sein sechstes Handelszentrum.

Thomas Mahler (39), München:
" Ich bin schon zu Trading House nach Berlin geflogen und habe da einen Kurs mitgemacht. Ich möchte meine Vermögensverwaltung selbst in die Hand nehmen, weil ich schlechte Erfahrungen mit Banken gemacht habe. Ich werde mich hier einmieten. Später möchte ich von zu Hause weitermachen."

Alexandra Kolley (26), München:
"Ich möchte mir nur anschauen, wie das Daytrading funktioniert. Mein Mann und ich informieren uns mal. Es schaut eigentlich alles ganz nett aus, aber ich habe erst wenig gesehen und muss mich noch mehr umschauen. Aber Daytrading aufs Geratewohl zu probieren, ist viel zu gefährlich."

Alexander Erler (29), München:
" Ich bin nur aus Interesse hier. Ich will mich umschauen. Ob ich einsteigen werde, weiß ich jetzt noch nicht, wahrscheinlich nicht gleich. Natürlich gibt es auch Gefahren beim Daytrading. Wenn man sich aber mit den Aktien und der Börse beschäftigt, dann halte ich die Risiken für kalkulierbar."

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