Deutsche Wirtschaft schafft kleines Wachstumswunder
am 25.05.2012 Der Rückgang der Investitionen wurde auf diese Weise kompensiertDJ UPDATE: Deutsche Wirtschaft schafft kleines Wachstumswunder Deutsches BIP wächst viel stärker als erwartet Exporte und Konsum sorgen für positive Impulse Wachstumstempo dürfte wegen Schuldenkrise nachlassen
(NEU: Stimmen von Ökonomen) WIESBADEN (Dow Jones) Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal überraschend auf einen kräftigen Wachstumskurs geschwenkt und hat damit Befürchtungen eindrucksvoll widerlegt, die größte Volkswirtschaft der Eurozone könnte in eine kleine Rezession abgleiten. Positive Impulse kamen vor allem vom Außenbeitrag, außerdem wurde im Inland mehr konsumiert, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer ersten Veröffentlichung berichtete. Der Rückgang der Investitionen wurde auf diese Weise kompensiert. Weil aber die Schuldenkrise weiter wie ein Damoklesschwert über Europa schwebt und für Unsicherheit sorgt, gehen Volkswirte davon aus, dass das hohe Wachstumstempo in den kommenden Monaten nicht gehalten werden kann. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg in den ersten drei Monaten dieses Jahres preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten nur einen minimalen Anstieg um 0,1 Prozent prognostiziert. Im Schlussquartal des vorigen Jahres hatte es mit einem BIP-Rückgang um 0,2 Prozent den ersten kleinen Rücksetzer seit der Wirtschaftskrise 2009 gegeben. Im Vorjahresvergleich legte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal dieses Jahres ebenfalls stärker als erwartet zu: Das preisbereinigte BIP wuchs um 1,7 Prozent. Kalenderbereinigt stieg das BIP in dieser Betrachtung um 1,2 Prozent, während Ökonomen nur einen Zuwachs um 0,8 Prozent erwartet hatten. Den kräftigen Wachstumsschub verdankte die deutsche Wirtschaft insbesondere dem Außenhandel: Nach vorläufigen Berechnungen sind die Exporte - anders als die Importe - zum Jahresbeginn gestiegen, wie die Statistiker mitteilten. Weitere Details zu den BIP-Komponenten will das Bundesamt am 24. Mai vorlegen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet allerdings im zweiten Quartal mit einem langsameren Wachstum: "Wenn es mit der deutschen Wirtschaft trotz ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit und der für Deutschland viel zu niedrigen EZB-Leitzinsen nur mit angezogener Handbremse nach oben geht, liegt dies letztlich an der von der Staatsschuldenkrise ausgehenden Unsicherheit." Zuletzt sei die Unsicherheit über die Konjunktur deutlich gestiegen, abzulesen am Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie, der in den zurückliegenden drei Monaten gefallen ist. Unter der Voraussetzung, dass die Schuldenkrise nicht eskaliert, sieht Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe allerdings weiterhin gute Wachstumsbedingungen für Deutschland. "Hierzu zählen das Wachstum der Weltwirtschaft und die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, die das Exportumfeld aufhellen", erklärte der Experte. Zusammen mit den niedrigen Realzinsen, die das beste Konjunkturprogramm für den Bau darstellten, spreche dies für eine zunehmende Investitionstätigkeit. ING-Bank-Experte Carsten Brzeski geht davon aus, dass die deutsche Volkswirt das "Bollwerk" der Eurozone bleibt. Allerdings dürfte sich diese Festung immer weniger der Krise in anderen Euroländern entziehen können, was sich bereits in dem anhaltenden Rückgang der Auftragseingänge aus diesen Ländern abzeichne. "Die Exportmaschine könnte früher oder später ins Stottern geraten", warnt der Fachmann. Daher werde das künftige Wachstum Deutschlands viel mehr von einem starken Arbeitsmarkt und steigenden Löhnen abhängen, was auch die Eurozone wieder stärker ins Gleichgewicht bringen würde. Im starken Kontrast zu Deutschland entwickelt sich die Wirtschaft der französischen Nachbarn westlich des Rheins. Während der Konjunkturmotor in Deutschland brummte, stagnierte die zweitgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone, gebremst von sinkenden Investitionen und schwachen Exporten. Die Verbraucherausgaben belebten sich nur moderat. Dies dürfte den Druck auf den neuen französischen Staatspräsidenten Francois Hollande erhöhen, sein Wahlversprechen einer wachstumsfördernden Politik wahrzumachen. Bundesbanzlerin Angela Merkel (CDU) kann indessen gestärkt in ihr erstes Treffen mit Hollande gehen, der am Dienstag unmittelbar nach seiner Amtseinführung nach Berlin fliegen wird. Noch schwächer zeigte sich mit Italien die drittgrößte Volkswirtschaft im Euroraum: Die italienische Wirtschaft rutschte im Sog der Sparmaßnahmen und einer schwachen Kreditvergabe durch den in Schwierigkeiten steckenden Bankensektor noch tiefer in die Rezession. Das BIP schrumpfte im ersten Jahresviertel auf Quartalssicht um 0,8 Prozent und verzeichnete damit das dritte Quartal mit sinkender Wirtschaftsleistung in Folge. -Von Andreas Plecko, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 300, andreas.plecko@dowjones.com DJG/apo/sgs (END) Dow Jones Newswires May 15, 2012 04:21 ET (08:21 GMT) Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
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