01.06.2012 - 21:25 Uhr

Schwäbische Zeitung: Schlecker ist Geschichte - Leitartikel

Leutkirch (ots) - Das Bangen und Hoffen ist vorbei: Es ist aus mit Schlecker. Kaum ist die Nachricht verkündet, schon gehen die Schuldzuweisungen los: Die Politik ist schuld, Anton Schlecker sowieso, die Gewerkschafter waren zu wenig engagiert, die Gläubiger zu hektisch. Und ...

Leutkirch (ots) - Das Bangen und Hoffen ist vorbei: Es ist aus mit Schlecker. Kaum ist die Nachricht verkündet, schon gehen die Schuldzuweisungen los: Die Politik ist schuld, Anton Schlecker sowieso, die Gewerkschafter waren zu wenig engagiert, die Gläubiger zu hektisch. Und am Ende sind die gekündigten Mitarbeiter womöglich noch schuld, weil sie mit ihren Kündigungsschutzklagen Investoren verscheucht haben.

Menschen suchen Sündenböcke, um Wut, Trauer und Enttäuschung im ersten Moment zu verarbeiten. Doch den 13200 Mitarbeitern, die jetzt ihre Arbeit verlieren, nützt das nichts mehr. Eine Rettung gibt es nicht, weil es keinen Retter gab und auch keinen Rettungsplan.

Es bleibt dabei: Der fehlende und zu späte Innovationswille der Unternehmensführung hat der Kette das Genick gebrochen. Anton Schlecker haftet nun dafür. Dieses Risiko ist er bei der Wahl seiner Unternehmensrechtsform als eingetragener Kaufmann bewusst eingegangen. Dafür konnte er frei entscheiden, musste niemanden in seine Bücher schauen lassen, trug den Erfolg allein - und jetzt den Verlust.

Der ehrgeizige Mann, der auch selbst innerhalb von 20 Jahren 10000 kleine inhabergeführte Drogeriefachmärkte in Deutschland verdrängt hat, verlor am Ende nicht nur den Anschluss an die veränderte Zeit, sondern auch den Überblick über sein Imperium. Bis Januar war es ein Untergang in der Stille.

Die Fehler Schleckers sind jetzt Geschichte. Die Mitarbeiter kehren die Scherben auf. Das hätte auch eine Transfergesellschaft nicht vermeiden können. Die Betroffenen müssen sich öffnen: neuen Aufgaben, neuen Kollegen, neuen Herausforderungen.

Die Chancen, beruflich neu Fuß zu fassen, sind besser denn je - zumindest im Südwesten. Und das sagen nicht nur die Arbeitslosenzahlen, sondern auch die potenziellen Arbeitgeber: Handelsunternehmer verschiedener Branchen haben schon ihr Interesse signalisiert und strecken ihre Fühler aus. Der Arbeitskräftemangel hat eben auch gute Seiten: Es werden nicht nur hoch qualifizierte, junge Männer gebraucht.

Originaltext: Schwäbische Zeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/102275 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_102275.rss2

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