Politik

Kleinstadt - Zeitung: Stadt Quickborn will umstrittene Bürgerkredite neu auflegen

am 28.02.2010 Die Kleinstadt Quickborn in Schleswig-Holstein startet eine Neuauflage ihrer umstrittenen «Bürgerkredite». Die Kommune will sich zunächst zwei Millionen Euro von ihren Einwohnern leihen, wie Bürgermeister Thomas Köppl der Zeitung «Welt am Sonntag» sagte. Die Stadt in der Nähe von Hamburg war im vergangenen Jahr bundesweit in die Schlagzeilen geraten, als sie bei ihren Bürgern vier Millionen Euro einsammelte. Die Finanzaufsicht BaFin intervenierte jedoch und untersagte eine Wiederholung der Kreditgeschäfte ohne Banklizenz.

Beim zweiten Anlauf arbeitet Quickborn nun den Angaben zufolge mit der Abwicklungsbank BIW zusammen, um den Vorschriften des Kreditwesengesetzes Genüge zu tun. Die BIW wickelt bereits die Geschäfte der Kreditplattform Smava ab, die Darlehen von privat zu privat vermittelt.

Quickborn will ab dem 8. März jeweils eine Million Euro mit zwei und fünf Jahren Laufzeit aufnehmen. Für zwei Jahre sollen die Bürger etwa 1,5 Prozent Zinsen erhalten, für fünf Jahre sind es etwa 2,6 Prozent. Damit fällt die Verzinsung deutlich geringer aus als bei der ersten Tranche im Vorjahr, als die Kommune noch drei Prozent für ein Jahr zahlte. Kritiker wie der Bund der Steuerzahler bezeichneten die damalige Verzinsung als zu teuer für die Stadt.

Bürgermeister Köppl will mit den Bürgerkrediten allerdings nicht vorwiegend Zinsen sparen, sondern weniger abhängig von Banken werden. Auch andere Bürgermeister und Kämmerer sehen sich offenbar nach solch alternativen Geldquellen um. «Immer mehr Städte wollen einfach eine Alternative zum Bankkredit haben, um für alle Fälle vorbereitet zu sein», sagte Monika Kuban, Finanzdezernentin beim Deutschen Städtetag, der Zeitung.

Die BIW will ihr Modell unter der Marke «Heimatinvest» auch anderen Kommunen anbieten. Anfragen gebe es bereits, sagte Bankvorstand Michael Heinks der Zeitung. Zu den Interessenten gehören unter anderem die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden sowie die nordrhein-westfälische Stadt Willich.

ddp/jsp/iha





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